Die historische Wassermühle der Bohlsener Mühle
Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften

Die Wassermühle

Eine über 750 Jahre alte Wassermühle und hochmoderne Farbausleser neben historischen Walzenstühlen: Die Mühle im Herzen von Bohlsen ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Während des großen Mühlensterbens in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sind zahlreiche kleine Mühlen in ganz Deutschland geschlossen worden. Der Trend ging damals eher zu sehr großen, leistungsfähigen Mühlen. Die Bohlsener Mühle jedoch überlebte diesen Prozess und produziert noch heute an ihrem Ursprungsplatz an der Gerdau.

Unsere Mühle steht für das richtige Maß an produzierten Gütern und verbrauchter Energie. Nie zu viel, nie zu wenig. Sie ist Vorbild für ein zukunftsfähiges Wirtschaften, das Rohstoffe und Energie im Einvernehmen mit der Natur einsetzt. Darüber hinaus ist sie der Beweis dafür, dass echtes Handwerk und die Zusammenarbeit zwischen langlebiger traditioneller wie moderner Technik und Menschen funktionieren kann. Was die Arbeit in der Bohlsener Mühle so besonders macht, erklärt Mühlenleiter Tillmann Spies im folgenden Interview.

Mühlenleiter Tillmann Spies im Interview

Besonderheiten der Mühle

Was sind die Besonderheiten der Bohlsener Mühle im Vergleich zu anderen Mühlen?
Tillmann Spies:

In erster Linie ist es wohl die Atmosphäre, die man erlebt, wenn man durch das Gebäude geht. Man spürt den alten Holzfußboden unter sich, wechselt über schon leicht ausgetretene Treppen die Stockwerke und läuft durch zwischen alt gedienten Maschinen und steht dann doch auch plötzlich vor einer hochmodernen PC gesteuerten Maschine. Diese Mischung aus Altem, sich über Jahrzehnte Bewährtem und dann aber auch das Nutzen neuester modernster Technik, macht es so reizvoll hier zu arbeiten. Besonders ist natürlich auch die Herausforderung der vielen unterschiedlichen Produkte, die wir herstellen und verarbeiten, der wir uns täglich stellen. Und zuletzt arbeiten wir in einer Umgebung inmitten der Natur, wo andere Urlaub machen.

Welche Getreidearten verarbeitet ihr in der Mühle?
Tillmann Spies:

Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Reis, Emmer, Einkorn, Buchweizen, Quinoa, Erbsen und Soja werden zu Mehl, Schrot und Flocken in unterschiedlichsten Qualitäten hergestellt.

Wie alt ist die Mühle eigentlich?
Tillmann Spies:

Die urkundlich bestätigte Geschichte der Wassermühle reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert zurück: 1265 wurde eine Mühle in Bohlsens erstmalig urkundlich erwähnt. Das Mühlengebäude selbst ist Baujahr 1851, der Teil mit Werkstatt und Absackerei ist 1812-13 in dem heutigen Obstgarten errichtet und dann irgendwann an seinen jetzigen Ort verbracht worden. Die letzte Erweiterung war der Anbau eines neuen Getreidesilos vor 10 Jahren. Die ältesten Maschinen sind wohl die Walzenstühle, wovon zwei noch ein Schild mit der Aufschrift Deutsches Reichspatent haben.

Nutzt ihr noch alte Technik? Und habt ihr auch moderne Anlagen in der Mühle?
Tillmann Spies:

Wie gesagt, die Walzenstühle leisten immer noch Ihren Dienst. Natürlich gibt es auch neue Maschinen und Anlagen. Es ist ein laufender Prozess, in dem ständig Maschinen ausgetauscht und neue Anlagen installiert werden. So haben wir zum Beispiel auch einen modernen Farbausleser der mittels hochauflösenden Kameras Fremdbesatz im Produkt erkennt und durch gezielte Druckluftstöße ausschleust.

Was verarbeitest du am liebsten?
Tillmann Spies:

Ein Lieblingsprodukt habe ich nicht. Das Schönste ist es, wenn alle Anlagen in Betrieb sind, alles so eingestellt ist, dass es ruhig läuft, man durch die Räume geht und weiß, dass alle Qualitätsparameter erfüllt werden.

Nutzt ihr wirklich noch das Wasser der Gerdau zum Antreiben der Mühle und wie funktioniert das?
Tillmann Spies:

Das tun wir. Die Gerdau treibt eine Turbine an, die direkt über eine Welle und Flachriemen mit den Walzenstühlen verbunden ist. Das Problem dabei ist, dass wir sehr stark vom Wasserstand und der Wassermenge der Gerdau abhängig sind. Das führt dazu, dass wir bei Niedrigwasser im Sommer und bei extremem Hochwasser im Winter die Mühle abstellen müssen. Um unsere Kunden weiterhin zuverlässig beliefern zu können, haben wir zwei Motoren, die in solchen Extremfällen zugeschaltet werden können.

1000 Mühlen braucht das Land

Die Mühle als Sinnbild der Transformation

In „1.000 Mühlen braucht das Land. 9+1 Grundregeln für besseres Wirtschaften“, dem gemeinsamen Buch des Journalisten Gerhard Waldherr und Volker Krauses, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Bohlsener Mühle, erläutert Krause die Bedeutung der Wassermühle für die Entwicklung des Unternehmens und entwirft ein Modell zukunftsfähigen Wirtschaftens. Besonders im Fokus steht dabei die Mühle als Sinnbild der Transformation in Hinsicht auf dringend notwendige wirtschaftliche Veränderungen und mögliche Grenzen einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.

Grenzen des Wachstums

[Die Mühle] hat die Zeit überdauert, Kriege überlebt, Notzeiten, Überschwemmungen und Feuer. Sie ist immer wieder aufgebaut worden und dageblieben, wo ihr Platz war. Wo sollte sie auch hin? Sie brauchte doch die Energie, die ihr der Fluss zur Verfügung stellte. Und diese Energie war begrenzt, und begrenzt war daher auch die Größe der Mühle. Es hätte also keinen Sinn gemacht, sie größer zu bauen. Das sind Grenzen des Wachstums durch die begrenzte regenerative Energie. Daher sind in früheren Jahrhunderten viele kleine Mühlen entstanden, überall dort, wo ausreichend Wasserkraft zur Verfügung stand.“ Volker Krause

Die Mühle als Vorbild

 „Die Geschichte der Mühle beschreibt ein weitgehend ökologisches Gleichgewicht, abgesichert durch die begrenzte Ressource regenerativer Energie.“ Volker Krause

„Das ökologische Prinzip der Mühle kann uns als Sinnbild für diese Transformation dienen. Für kluge Nutzung regenerativer Energie und Ressourcen, für technischen Fortschritt und Offenheit für Veränderung, für großes Denken und auch kleine Lösungen. Aber auch für Beharrlichkeit, Geduld und Bescheidenheit. Patentrezepte oder den einen großen Wurf, das neue System, das alle Probleme löst, wird es nicht geben.“ Volker Krause

Die historische Wassermühle der Bohlsener Mühle
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